Weltgesundheitsorganisation stuft Verbreitung des Coronavirus als Pandemie ein
ABQnews| WHO / Genf | Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Verbreitung des neuartigen Coronavirus als Pandemie eingestuft. Angesichts der weltweiten Ausbreitung des Erregers sei er “tief besorgt” über das “alarmierende Niveau der Untätigkeit” im Kampf gegen das Virus, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf. Weltweit infizierten sich seit Ende Dezember laut AFP-Zählung bereits mehr als 124.000 Menschen mit dem Coronavirus, mehr als 4500 Menschen starben.
In den vergangenen zwei Wochen erhöhte sich laut WHO die Zahl der Fälle außerhalb Chinas um das 13fache, die Zahl der betroffenen Länder habe sich verdreifacht. Daher könne die Atemwegserkrankung Covid-19 nun als Pandemie eingestuft werden, sagte Tedros. Das Vorgehen der WHO und der betroffenen Länder ändere sich dadurch aber nicht.
Laut Tedros wird die Zahl der betroffenen Länder und Menschen in den kommenden Wochen weiter ansteigen, ebenso wie die Zahl der Todesfälle. “Wir müssen aggresiver werden”, sagte er mit Blick auf die Bekämpfung des Virus.
Noch seien der Iran und Italien an erster Stelle der Front, sagte der WHO-Direktor für Notfälle, Michael Ryan. Im Iran mangele es derzeit an Sauerstoffmasken und anderem medizinischen Gerät. Laut Tedros hat der Iran, der mehr als 350 Tote verzeichnet “sein Bestes getan”. Die WHO versprach weitere Unterstützung.
Es sei das erste Mal, dass wegen eines Coronavirus eine Pandemie ausgerufen werde, sagte Tedros. Die Atemwegserkrankung Sars, an der 2002/2003 wetlweit fast 800 Menschen starben, wurde ebenfalls durch ein Coronavirus ausgelöst – genauso wie Mers, woran seit 2012 mehr als 850 Infizierte starben.

Die italienische Regierung kündigte ein Notprogramm im Umfang von 25 Milliarden Euro an. Die Hälfte davon stehe für Sofortmaßnahmen zur Verfügung, teilte Regierungschef Giuseppe Conte mit. Die andere Hälfte sei für “mögliche weitere Bedürfnisse” des Landes im Kampf gegen das Virus gedacht.
In der Nacht zu Dienstag hatte Conte das ganze Land bereits zur “Schutzzone” mit umfangreichen Reisebeschränkungen und Versammlungsverboten erklärt. Reisen sind nur noch aus dringenden beruflichen oder gesundheitlichen Gründen erlaubt, alle kulturellen, religiöse und Sportveranstaltungen wurden untersagt. Die Schulen und Hochschulen des Landes wurden schon vorher geschlossen.
In Italien haben sich laut einer AFP-Zählung fast 12.500 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Demnach starben 827 Infizierte.
“Unsere Familie wird sie nicht alleine lassen”, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer teilweise auf Italienisch gehaltenen Videobotschaft im Onlinedienst Twitter. Sie dankte dem italienischen Regierungschef Conte für die ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus und betonte: “Wir sind alle Italiener.”
Nach einer AFP-Zählung gab es europaweit rund 950 Tote, mehr als 22.000 Menschen seien infiziert. Schweden, Belgien, Albanien, Bulgarien, Irland und Indonesien meldeten die ersten Todesfälle.
In Spanien wurden demnach bislang mehr als 2100 Infizierte und 47 Todesopfer registriert, in Frankreich fast 2300 Infizierte und 48 Todesopfer. Danach folgt Deutschland mit rund 1600 Infektionen und drei Todesopfern.
In vielen europäischen Ländern wurden die Schutzmaßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus am Mittwoch weiter verschärft. Österreich setzte seinen Personenzugverkehr zu Italien vollständig aus und schloss zahlreiche Einrichtungen. Polen und die Ukraine kündigten Schulschließungen an. Frankreich untersagte Besuche in Altenheimen.
China, Ausgangspunkt der Lungenkrankheit Covid-19, meldete derweil eine weitere Entspannung der Lage. Die nationale Gesundheitskommission gab am Mittwoch lediglich 22 neue Todesfälle und 24 neue Infektionsfälle bekannt. Die Restriktionen in der Millionenmetropole Wuhan wurden gelockert. Einige Unternehmen in der Hauptstadt der Provinz Hubei dürfen ihren Betrieb wieder aufnehmen. Ankömmlinge aus dem Ausland müssen in Peking nun allerdings zwei Wochen in Quarantäne.
Quelle:AFP
Comments are closed.